Fußball

Bremerhavener Hahn träumt vom Sprung ins Profi-Lager

In seiner sechsten Saison im Trikot des Fußball-Regionalligisten SSV Jeddeloh scheint Michel Leon Hahn der Durchbruch zu gelingen. Nach starken Leistungen beim Dorfverein aus dem Ammerland darf der Bremerhavener vom Sprung zu den Profis träumen.

Als Innenverteidiger hält der Bremerhavener Michel Leon Hahn (links) die Abwehr des SSV Jeddeloh zusammen.

Als Innenverteidiger hält der Bremerhavener Michel Leon Hahn (links) die Abwehr des SSV Jeddeloh zusammen.

Foto: Nordphoto/imago images

Aktuell belegen die Jeddeloher in der Regionalliga Nord hinter dem Tabellenführer VfB Lübeck und den Zweitvertretungen des Hamburger SV und von Hannover 96 den vierten Platz und treffen im Halbfinale des Niedersachsen-Pokals auf den Drittligisten VfL Osnabrück - daran hat auch das frühere Talent der Leher TS und des JFV Bremerhaven einen Anteil. „Mein Spiel ist es schon immer gewesen, hart in den Zweikampf zu gehen. Aber ich habe mich auch fußballerisch verbessert und setze im Aufbauspiel nicht mehr nur auf Diagonalbälle“, erzählt Hahn beim Heimatbesuch „zwischen den Jahren“ in der Seestadt.

Dabei war der Stammplatz des 1,88 Meter großen Innenverteidigers unter dem neuen SSV-Trainer Björn Lindemann zu Saisonbeginn keineswegs sicher. Beim Auftaktspiel beim SV Drochtersen/Assel wurde Hahn erst nach der Verletzung eines Konkurrenten eingewechselt und steuerte ein Elfmeter-Tor zum 3:2-Auswärtssieg bei. „Für mich war es etwas Neues, dass ich nicht zur Startelf gehört habe, aber ich habe das angenommen und im Training Gas gegeben“, berichtet Hahn, der es anschließend noch auf 15 Einsätze von Beginn an brachte: „Ich bin mit meiner Leistung zufrieden.“ Vier Saisontore, drei vom Elfmeterpunkt erzielt, runden die gute Bilanz des 24-Jährigen ab - auch wenn er zwei Strafstöße verschossen hat. „Nach dem letzten verschossenen Elfmeter habe ich gesagt, dass sich jetzt mal wieder andere Spieler versuchen können“, sagt der Abwehrspieler schmunzelnd.

Probetraining bei Viktoria Köln

Hahn weiß, dass er mit seinen Leistungen für höherklassige Clubs interessant geworden sein dürfte. Vor zwei Jahren zeigte der Drittligist Viktoria Köln schon einmal Interesse und lud den Bremerhavener zum Probetraining ein. Doch einige durch Verletzungen bedingte Zwangspausen sorgten dafür, dass aus dem Engagement bei einem Profi-Club noch nichts wurde. Im Sommer 2023 könnte sich das ändern, hofft Hahn: „Mein Vertrag läuft dann aus. Ich werde wahrscheinlich eine Verlängerung angeboten bekommen. Ob ich sie mit 24 und der guten Saison, die ich bisher gespielt habe, dann auch annehmen werde, ist etwas anderes.“

Der frühere Jugendspieler von Werder Bremen will seinen Wechsel ins Profi-Lager aber nicht übers Knie brechen. Parallel zum Viertliga-Fußball absolviert Hahn, der in Oldenburg wohnt, eine Ausbildung als Bürokaufmann bei der Organisation Baumhaus, die sich um Menschen mit Beeinträchtigungen kümmert. „Diese Ausbildung ist das Beste, was mir passieren konnte. Es ist so harmonisch und familiär da. Man geht dort mit dem Fußball so gut um, wenn ich sage, dass ich mal nicht kann“, erklärt Hahn. Deshalb komme es für ihn auch nicht infrage, die Ausbildung abzubrechen, um zum Beispiel bei einem Drittligisten anheuern zu können. Eher vorstellbar sei es, eine Pause einzulegen und sich wieder mehr auf Fußball zu konzentrieren.

Bei Werder nicht in die U23 übernommen worden

Hahns Karriere hätte sicher eine andere Wendung nehmen können, wenn der SV Werder ihn im Jahr 2017 aus dem U19-Bundesligateam in die damals noch in der 3. Liga spielende U23 übernommen hätte. Obwohl der damalige U23-Coach Florian Kohfeldt ihm Hoffnung gemacht habe, sei es zur Trennung gekommen. Mit seiner wohl als nassforsch empfundenen Art sei er im Nachwuchs der Grün-Weißen oft angeeckt: „Mir wurde oft gesagt: Man merkt, dass du aus Bremerhaven kommst. So wie du redest und wie du dich gibst.“ Ein bisschen was sei an der Kritik dran gewesen, räumt der 24-Jährige ein: „Ich war sicher nicht der Schlimmste, aber ich hatte in jungen Jahren kein Interesse, mich zu verändern. Mir war nicht bewusst, wie viel am Verhalten festgemacht wird.“ Wobei Hahn auf die Feststellung Wert legt, dass die Leistung im Werder-Trikot immer gepasst habe: „Das große Thema war wohl, dass ich nicht immer nach deren Pfeife getanzt habe.“

Die Jahre in Bremen möchte Hahn aber auf keinen Fall missen: „Für mich war es eine schöne Zeit. Ich habe viel gelernt und tolle Menschen wie Sasa Pinter kennengelernt, der für mich wie ein großer Bruder ist.“ Der Hahn von 2017 sei auch nicht mehr mit dem Hahn von heute zu vergleichen: „Meine Persönlichkeit hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Ich bin ruhiger geworden - auf und neben dem Platz.“

Den Wechsel zum SSV Jeddeloh nie bereut

Das ruhige Umfeld in Jeddeloh hat zu dieser Entwicklung sicher beigetragen. Hahn mag die familiär geprägte Atmosphäre in dem Dorfverein aus der Gemeinde Edewecht: „Viele Spieler, mit denen ich 2017 hier angefangen habe, sind immer noch im Verein. Für mich war Jeddeloh nach der U19 eine Topadresse, um den Einstieg in den Herrenbereich zu schaffen. Ich habe den Wechsel bis jetzt noch nicht einmal bereut.“

Im ersten Rückrundenspiel am 4. Februar bei Kickers Emden wird der 24-Jährige sein 100. Regionalligaspiel für den SSV absolvieren: „Da bin ich schon ein bisschen stolz drauf, auch wenn ich gerne auch in einer höheren Liga die Hundert vollmachen würde.“ Hahn will weiter seine Leistung bringen und sich wegen eines möglichen Wechsels ins Profi-Lager nicht verrückt machen lassen: „Ich ärgere mich nicht, wenn ich durch meine Ausbildung einen guten Job bekomme und nebenbei weiter Regionalliga-Fußball spielen kann.“

„Ich werde wahrscheinlich eine Verlängerung angeboten bekommen. Ob ich sie mit 24 und der guten Saison, die ich bisher gespielt habe, dann auch annehmen werde, ist etwas anderes.“

Dietmar Rose

Reporter

Dietmar Rose ist Sportredakteur bei der Nordsee-Zeitung mit den Schwerpunkten Fußball, Basketball und Tennis. Der gebürtige Münsteraner kam 1997 nach seinem Studium nach Bremerhaven.

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