Sport

DFB geht auf Distanz zur FIFA - Keine Stimme für Infantino

Zwei Tage vor Beginn der Fußball-WM in Katar stand im deutschen Luxus-Quartier der Fußball noch nicht im Fokus. Stattdessen begab sich DFB-Präsident Bernd Neuendorf auf das diplomatische Parkett und ging auf Distanz zum Weltverband FIFA.

DFB-Präsident Bernd Neuendorf in Katar

DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat vor dem Start der WM kritische Worte an den Fußball-Weltverband gerichtet.

Foto: Gambarini/dpa

Bernd Neuendorf ist im Gegensatz zu seinen Vorgängern nicht der Mann der lauten Töne. Der ehemalige SPD-Politiker wählt seine Worte sehr behutsam, gleichwohl ist der 60-Jährige nicht minder deutlich. Gestern Mittag ging er in der ersten Pressekonferenz im DFB-Quartier in Al-Ruwais im Norden Katars deutlich auf Distanz zur FIFA und besonders zu deren Präsidenten Gianni Infantino. „Seine Aussagen, dass die Menschenrechte während der WM keine Rolle spielen sollen, hat uns verstört und irritiert.“ Der DFB wird Infantino bei seiner als sicher geltenden Wiederwahl nicht unterstützen. „Wir haben diese Entscheidung getroffen, weil wir ein Zeichen setzen müssen.“ Der seit März amtierende DFB-Präsident unterstrich, dass alle Kontinentalverbände Infantino zur Wiederwahl vorgeschlagen haben - außer der UEFA. Was vermutlich nichts an der erneuten Wahl des umstrittenen FIFA-Präsidenten ändern wird, denn der Schweizer ist bisher einziger Bewerber beim FIFA-Kongress am 16. März 2023 in Ruanda.

Befremdlich zeigte sich der DFB-Präsident auch wegen der von der FIFA nicht genehmigten dänischen Trainings-Shirts mit der Aufschrift „Human Rights for All“ – Menschenrechte für alle. Die FIFA wertete dies als ein politisches Statement, was nach den Statuten verboten ist. Neuendorf: „Das Eintreten für Menschenrechte ist kein politisches Statement im klassischen Sinne.“ Umso wichtiger sieht Neuendorf die Initiative europäischer WM-Teilnehmer, die mit einer mehrfarbigen „One-Love-Kapitänsbinde“ in Katar ein Zeichen für Vielfalt und Menschenrechte setzen wollen. Falls auch diese Maßnahme von der FIFA verboten werden sollte, wäre Neuendorf bereit, eine Geldstrafe in Kauf zu nehmen: „Für mich ist das keine politische Äußerung, sondern ein Statement.“

Nationalspieler interessiert an politischer Situation

Die Nationalspieler hätten sich ohnehin in den vergangenen Monaten deutlich positioniert und sich eingehend mit dem Geschehen rund um den Fußball informiert. „Die Spieler haben ein gutes Sensorium für die politische Situation.“ Deswegen hätten sich die Nationalspieler zu einem Engagement in Nepal entschlossen. In dem Land, aus dem viele der Gastarbeiter nach Katar kommen, wird ein SOS-Kinderdorf unterstützt. Eine Million Euro soll in den nächsten Jahren in das Projekt aus der „Stiftung Nationalmannschaft“ fließen, die direkt aus der Mannschaft finanziert wird. Rund 400.000 nepalesische Wanderarbeiter leben in Katar. „Wir wollen da unterstützen, wo die Menschen herkommen“, sagte Neuendorf. Für die Kinder in Nepal solle sich die Situation, wegen Armut auswandern zu müssen, nicht wiederholen.

Beim Blick auf den Fußball sagte Neuendorf: „Ich gehe fest davon aus, dass wir gegen Japan gewinnen.“ Trotz des müden Kicks am Mittwoch gegen den Oman (1:0) habe er in den ersten Tagen in dem Luxusquartier am Meer einen guten Spirit im Team gespürt. „Es ist eine positive Anspannung gepaart mit einer positiven Lockerheit.“ Auffällig sei, dass die neuen Spieler gut integriert seien. „Wir haben die besten Voraussetzungen, wir sind eine echte Einheit.“ Beweisen muss dies das deutsche Team am Mittwoch gegen Japan. Gestern waren zur Ortszeit 18 Uhr (16 Uhr deutscher Zeit) noch 37 Grad in Katar.

Wolfgang Stephan

Autor

Wolfgang Stephan, Jahrgang 1954, geboren in St. Martin/Pfalz ist seit 2001 Chefredakteur im Pressehaus in Stade. Neben dem Redaktions-Management beschäftigt sich der Journalist vor allem mit Themen aus der Politik und Wirtschaft. Und: Seit 2006 ist Wolfgang Stephan als Fußballreporter bei allen großen Turnieren für die Redaktionsgemeinschaft Nordsee dabei.

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