Sport

Mit dieser Abwehr lässt sich keine WM bestreiten

Trotz eine 4:2-Sieges gegen Costa Rica im letzten Gruppenspiel der Fußball-WM in Katar hat Deutschland das Achtelfinale verpasst. Weil Japan zeitgleich gegen Spanien gewann, kam das Aus für die DFB-Elf schon in der Gruppenphase.

Enttäuschte Fußballspieler

Die Spieler der deutschen Mannschaft verlassen nach dem Spiel enttäuscht den Platz.

Foto: Ariel Schalit/AP/dpa

Kommentar

Raus ohne Applaus. So deutlich muss das gesagt werden, auch wenn die Deutschen gestern Abend mit 4:2 gegen Costa Rica gewonnen haben. Das Ergebnis täuscht über den Spielverlauf, mit dieser Abwehr lässt sich keine WM bestreiten. Die Niederlage gegen Japan schien noch ein Betriebsunfall zu sein, doch nach diesem Spiel gestern Abend ist endgültig deutlich geworden, dass diese Mannschaft internationalen Ansprüchen doch nicht genügt. Das war so nicht vorhersehbar. Dass er mit limitierten Abwehrspielern agieren muss, wusste Hansi Flick, gute Mannschaften hätten das durch eine gute Offensive ausgeglichen. Doch den Samtfüßlern fehlte der Killerinstinkt. Den Mut, einen Mittelstürmer mit Killerinstinkt in der Startelf zu bringen, hatte Hansi Flick nicht. Es war viel Glück, dass den Deutschen nach einem 2:1 Rückstand noch der Sieg gelungen ist – sogar in der geforderten Höhe mit zwei Toren Differenz.Doch die hochgelobten Spanier machten alles zunichte. Ihre Niederlage gegen Japan wird noch viele Diskussionen nach sich ziehen. Wobei dabei nicht vergessen werden darf: Die deutsche Nationalmannschaft scheidet aus, weil sie gegen Japan verloren hat.

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Spielbericht

So dicht können Glück und Grauen in einem Fußball-Spiel eng beieinanderliegen. Der Abend in Doha fing so gut für die Deutschen an und endete mit einem tragischen WM-Aus. Obwohl die Deutschen wie 2006 mit 4:2 gegen Costa Rica siegten, müssen sie die Heimreise antreten, denn Spanien verlor gegen Japan mit 1:2. Bitter, bitter, dieser Abend.

Nach einer erneut missratenen Vorrunde fliegen die mit Titelträumen angereisten deutschen Spieler entzaubert zurück nach Deutschland, wo auf Bundestrainer Hansi Flick und Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff kritische Fragen nach der Zukunft warten. Einen Blitz-Rücktritt schloss der Bundestrainer aber aus und beteuerte: „Mir macht es Spaß. Wir haben eine gute Mannschaft, gute Spieler, die nachkommen. Von daher liegt es nicht an mir.“ Allerdings räumte Flick auch ein: „Wir hatten keine Effizienz in diesem Turnier. Natürlich ist die Enttäuschung riesengroß, das müssen wir erst mal verarbeiten.“

Thomas Müller deutet seinen Rücktritt an

Routinier Thomas Müller gestand: „Die Enttäuschung ist enorm.“ Er deutete einen Rücktritt aus der Nationalmannschaft an. „Es ist ein bissl ein Ohnmachtsgefühl. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Das ganze Unglück ist mit dem Ergebnis gegen Japan passiert“, sagte Müller mit Blick auf die 1:2-Auftaktpleite. „Wir müssen uns an unsere eigene Nase packen. Das Spiel gegen Japan hat alles kaputtgemacht“, urteilte auch Doppel-Torschütze Havertz.

Das Spiel startet vollnach Plan

Schon nach elf Minuten schien der Drops gelutscht, denn gleich in zwei Stadien war das Glück zunächst den Deutschen hold. Das einzige Problem: Es mussten noch gut achtzig Minuten Fußball gespielt werden.

Die Deutschen übernahmen vor 67.000 Zuschauern von Anfang an die Initiative und versuchten, sich mit spielerischen Mitteln durch die Fünfer-Abwehrkette der Mittelamerikaner zu kombinieren. Was nach zehn Minuten erfolgreich war. David Raum flankte das Spielgerät auf den Kopf von Serge Gnabry, 1:0. Deutschland führte und war eine Minute später endgültig im frühen Glück, denn die Spanier gingen durch Alvaro Morata im Parallelspiel auch in Führung.

Deutschland verpasst es, die Chancen zu nutzen

Costa Rica stand teilweise mit neun Mann in zwei Linien in der Defensive und die Deutschen versuchten es weiter mit Kurzpassspiel. Wie beim 1:2 gegen Japan verpassten sie es, das zweite, dritte oder vierte Tor zu schießen. Danach der Schreckmoment: Mit einem Doppel-Patzer verfehlten David Raum und Antonio Rüdiger den Ball, Keysher Fuller stand plötzlich frei vor Manuel Neuer, der den Schuss noch über die Latte lenken konnte. 70 Prozent Ballbesitz und 12:1 Torschüsse belegten zur Pause die Überlegenheit der Flick-Truppe.

Das Unheil drohte aber im Spiel der Spanier, Japan schaffte nach 48 Minuten den Ausgleich und ging nach 52 Minuten gegen Spanien in Führung. Damit war Deutschland raus. Und geriet selbst ins Chaos. Yeltsin Tejeda traf zum 1:1. Und es kam noch dicker: Nach einem weiten Freistoß landete der Ball auf Umwegen im Fünfmeterraum, Torhüter Manuel Neuer patzte und Juan Vargas bugsierte den Ball zum 2:1 für Costa Rica. „Durch Leichtfertigkeiten haben wir den Gegner stark gemacht“, schimpfte Flick.

In der Schlussphase wurde es dramatisch: Drei Minuten nach dem 1:2 fiel der Ausgleich durch den eingewechselten Kai Havertz, der zehn Minuten später mit dem 3:2 nach einer Flanke von Serge Gnabry nachlegte.

Jetzt fehlte wieder nur ein Tor im eigenen Spiel und der Ausgleich der Spanier. Wer sonst: der ebenfalls eingewechselte Niclas Füllkrug sorgte in der 89. Minute nach Zuspiel von Leroy Sané für das Ergebnis: 4:2. Jetzt gingen alle Blicke zum Spanien-Spiel. Doch um 23.53 Uhr Ortszeit in Doha war das Schicksal der deutschen Mannschaft besiegelt. Wie bei der WM in Russland 2018 scheidet sie in der Gruppenphase aus.

Costa Rica - Deutschland 2:4 (0:1)

Costa Rica: Navas - Duarte, Waston, Vargas - Fuller (74. Bennette), Borges, Tejeda, Oviedo, Aguilera (46. Salas), Campbell - Venegas (74. Matarrita)

Deutschland: Neuer - Kimmich, Süle, Rüdiger, Raum (66. Götze) - Goretzka (46. Klostermann), Gündogan (55. Füllkrug) - Gnabry, Musiala, Sané - Müller (66. Havertz)

Tore: 0:1 Gnabry (10.); 1:1 Tejeda (58.); 2:1 Vargas (70.); 2:2 Havertz (73.); 2:3 Havertz (85.); 2:4 Füllkrug (89.)

Schiedsrichterin: Stéphanie Frappart (Frankreich)

Wolfgang Stephan

Autor

Wolfgang Stephan, Jahrgang 1954, geboren in St. Martin/Pfalz ist seit 2001 Chefredakteur im Pressehaus in Stade. Neben dem Redaktions-Management beschäftigt sich der Journalist vor allem mit Themen aus der Politik und Wirtschaft. Und: Seit 2006 ist Wolfgang Stephan als Fußballreporter bei allen großen Turnieren für die Redaktionsgemeinschaft Nordsee dabei.

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