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Deutschland droht erneut ein frühes WM-Aus

Fehlstart für die deutsche Mannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft. Das Auftaktspiel gegen Japan ging 1:2 verloren. Damit könnte am Sonntag bei einer Niederlage gegen Spanien die WM für die Deutschen vorzeitig beendet sein.

Fußballer im Zweikampf

Takuma Asano (rechts) schoss das Siegtor für Japan. Nico Schlotterbeck und Torwart Manuel Neuer konnten den Treffer nicht verhindern.

Foto: Michael/dpa

„Das Spiel ist in die Hose gegangen, jetzt haben wir den Salat“, sagte ein frustrierter Kapitän Manuel Neuer. Dabei war die DFB-Elf über weite Strecken überlegen, verpasste es aber, nach der 1:0-Führung weitere Treffer zu erzielen.

So unglücklich wie sie neben dem Rasen agieren, so unglücklich spielte die deutsche Mannschaft auch gegen Japan und vergeigte wie schon 2018 gegen Mexiko ihr erstes Spiel, obwohl sie über knapp 70 Minuten alles im Griff hatte. Bundestrainer Hansi Flick wirkte konsterniert: „Es war ein undenkbar schlechter Start von uns, eine brutale Enttäuschung“, stöhnte er. „Wir müssen aus dieser Erfahrung die richtigen Schlüsse ziehen“, sagte Flick nach seiner schwersten Niederlage als Trainer. Welche das sind? „Die Fehler nicht machen, die wir bei einer WM nicht machen dürfen.“

Die spannende Frage, ob die deutschen Kicker auf das Verbot der „One Love“-Kapitänsbinde durch die FIFA reagieren, beantworteten sie mit einer Geste: Beim Mannschaftsfoto hielten sie sich eine Hand vor den Mund, immerhin ein kleines Zeichen des Protestes. „Wir lassen uns vielleicht die Binde nehmen, aber wir lassen uns niemals unsere Stimme nehmen. Und unsere Werte“, erläuterte Neuer die Geste. „Wir stehen für Menschenrechte ein. Das wollten wir damit zeigen.“

Gündogan bringt Deutschland in Führung

Beide Mannschaften begegneten sich in der Anfangsphase mit viel Respekt und räumten ihren Sicherheitsinteressen Vorrang ein. Die Flick-Elf hatte zunächst im Aufbauspiel deutliche Probleme mit der Zweikampfstärke der Japaner, die schon an der Mittellinie attackierten. Doch mit zunehmender Spielzeit bekamen die Deutschen das Spiel immer besser in den Griff und hatten durch Jamal Musiala und zweimal Ilkay Gündogan gute Torchancen. Der Manchester-City-Spieler sorgte nach 33 Minuten für den Glücksmoment: Nachdem David Raum im Strafraum von Japans Torhüter Shuichi Gonda gelegt wurde, drosch Gündogan den Ball vom Elfmeterpunkt ins Tor.

Alles schien jetzt zu laufen für die DFB-Elf. Die Japaner waren streckenweise mit den vielen Positionswechseln der Deutschen überfordert. Das 1:0 zur Pause war verdient, Deutschland war die spielbestimmende Mannschaft mit 81 Prozent Ballbesitz und 14:1 Torschüssen.

Musiala vergibt nach schönem Solo

Die zweite Hälfte begann mit einer Großchance von Serge Gnabry, der den Ball aber über die Latte donnerte. Gleich danach tänzelte Yamal Musiala durch die japanische Abwehr, umspielte vier Verteidiger, doch auch er verzog aus sieben Metern. Dass Gündogan wenig später den Ball an den Pfosten setzte, war Pech. Aber: Die fortan offensiver ausgerichteten Japaner kamen immer besser ins Spiel.

Flick nahm in der 67. Minute Thomas Müller und Gündogan vom Platz und brachte Jonas Hofmann und Leon Goretzka. Danach geriet die deutsche Abwehr ins Schwimmen. Erst rettete Neuer noch mit einer Weltklasseparade die Führung, dann erzielte der Freiburger Ritsu Doan nach 76. Minuten den Ausgleich, Niklas Süle hatte die Flanke zuvor nicht verhindert. Und es kam noch dicker: Nach einem Freistoß stellte sich Nico Schlotterbeck im Zweikampf wie ein Anfänger an, der Bochumer Takuma Asano erzielte in der 83. Minute den Siegtreffer für die Japaner.

Harsche Kritik von Gündogan

„Ich glaube, es ist noch nie einfacheres Tor bei einer Weltmeisterschaft erzielt worden“, schimpfte Gündogan. Er bemängelte zudem viele lange Bälle und unterstellte, dass einige Spieler den Ball nicht mehr hätten haben wollen. Harsche Worte.

„Ich bin frustriert und verärgert. Für mich ist es schwer zu verstehen, wie wir das aus der Hand gegeben haben“, sagte Neuer. Und Thomas Müller meinte: „Es ist aberwitzig, dass wir hier mit einer Niederlage dastehen. Wir müssen uns die mangelnde Effizienz ganz klar vorwerfen.“

Deutschland - Japan 1:2 (1:0)

Deutschland: Neuer - Süle, Rüdige, Schlotterbeck, Raum - Kimmich, Gündogan (67. Goretzka) - Gnabry (90. Moukoko), Musiala (79. Götze), Havertz (79. Füllkrug) - Müller (67. Hofmann)

Japan: Gonda - H. Sakai (75. Minamino), Yoshida, Itakura, Nagatomo (57. Mitoma) - W. Endo - Kubo (45. Tomiyasu), J. Ito, Kamada, Tanaka (71. Doan) - Maeda (57. Asoano)

Tore: 1:0 Gündogan (33./Foulelfmeter), 1:1 Doan (76.); 1:2 Asano (83.)

Zuschauer: 42.608

Schiedsrichter: Ivan Barton (El Salvador)

Wolfgang Stephan

Autor

Wolfgang Stephan, Jahrgang 1954, geboren in St. Martin/Pfalz ist seit 2001 Chefredakteur im Pressehaus in Stade. Neben dem Redaktions-Management beschäftigt sich der Journalist vor allem mit Themen aus der Politik und Wirtschaft. Und: Seit 2006 ist Wolfgang Stephan als Fußballreporter bei allen großen Turnieren für die Redaktionsgemeinschaft Nordsee dabei.

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