Sport

Eine heikle WM-Mission

Endlich. Nach den beschämenden Ereignissen der vergangenen Tage steht am Mittwoch auch für die Deutschen der Fußball auf der Agenda. Beim WM-Auftakt gegen Japan (14 Uhr, ARD) muss Bundestrainer Hansi Flick allerdings auf Leroy Sané verzichten.

Flick und Kimmich

Im Reizklima um die „One Love“-Binde waren Bundestrainer Hansi Flick und Anführer Joshua Kimmich bemüht, in ruhigem Tonfall deutlich Position zu beziehen und den Fokus auf ihre Fußball-Mission in Katar zu lenken.

Foto: picture alliance/dpa

Bei der Pressekonferenz gestern Abend musste er jedoch zur Kenntnis nehmen, dass es nicht nur um Fußball geht. Es ging natürlich besonders um die Entscheidung der „One Love“-Binde und deren Folgen. Von der internationalen Kritik am Einknicken des DFB vor der FIFA habe er nichts mitbekommen, sagte der Bundestrainer, weil er sich ganz auf den Fußball konzentriere. Gleichwohl kritisierte er auch die Entscheidung der FIFA und erneuerte sein Bekenntnis zu den Werten Wertschätzung und Respekt. „Wir begegnen uns mit diesen Werten und es gibt andere, die das nicht tun“, sagte Flick.

Eine Reaktion beim heutigen Spiel gegen Japan (14 Uhr) ist vermutlich nicht zu erwarten, der DFB will aber das Verbot der FIFA juristisch überprüfen und so erreichen, dass Manuel Neuer ab dem zweiten Gruppenspiel gegen Spanien mit der jetzt so in den Fokus geratenen Binde auftreten kann. „Die FIFA hat uns ein Zeichen für Diversität und Menschenrechte verboten. Sie hat dies mit massiven Androhungen sportlicher Sanktionen verbunden, ohne diese zu konkretisieren. Der DFB prüft, ob dieses Vorgehen der FIFA rechtmäßig war“, sagte DFB-Mediendirektor Steffen Simon. Während der WM ist die Ad-hoc-Division des Internationen Sportgerichtshof Cas zuständig. Laut Cas entscheidet das Gremium innerhalb von 48 Stunden nach Einreichung des Antrags.

Bundestrainer muss seine Pläne ändern

Der Handelsriese Rewe beendete derweil am Dienstag wegen des von der FIFA verursachten Kapitänsbinden-Eklats die Kooperation mit dem deutschen Verband und verzichtet auf seine Werberechte aus dem bis zum Jahresende bestehenden Vertrag. Mit der Telekom kündigte ein anderer Sponsor Gespräche an. „Ich wundere mich, dass diese Binde jetzt ein so großes Thema ist, wo sie doch zuvor eher madig gemacht wurde“, sagte unterdessen Joshua Kimmich, der am Ende seines Auftritts betonte: „Wir brennen alle für den Fußball und wir können alle nichts dafür, wo die WM stattfindet.“

Sportlich muss der Bundestrainer heute seine Pläne ändern. Leroy Sané galt auf der linken Außenbahn als gesetzt. Am Dienstag musste er das Abschluss-Training wegen Knieproblemen absagen, was für Flick ein Umdenken in seiner Offensivformation zur Folge hat. Zwei Lösungen bieten sich an: Ohne großen Umbau könnte Sané durch Mario Götze ersetzt werden. Bei dieser Variante hätte Flick aber weiterhin die knifflige Frage zu beantworten, wie er mit Leon Goretzka und Ilkay Gündogan umgehen soll.

Geht es auch mit Gündogan und Goretzka?

Mit Sané oder Götze auf Linksaußen hätte einer der beiden Mittelfeldstrategen auf der Doppelsechs neben Kimmich keinen Platz im Team. Wählt Flick eine Lösung mit Jamal Musiala auf Linksaußen, könnte Gündogan auf der Doppelsechs spielen und Goretzka hinter den Spitzen.

Neben Musiala hat auch Serge Gnabry im Sturm seinen Platz sicher. Während Hansi Flick zur Aufstellung nur die Namen Neuer und Kimmich bestätigen wollte, deutete Joshua Kimmich an, dass der zuletzt gesetzte Thomas Müller seine Qualitäten am Mittwoch zeigen werde, weil er total fit sei. „Er ist wirklich eine Option“, bestätigte auch Hansi Flick. Auch Kai Havertz könnte die Alternative im Sturmzentrum sein, Niklas Füllkrug weiterer Anwärter für einen Wechsel.

Dass vor Torhüter Neuer in der Innenverteidigung Antonio Rüdiger und Niklas Süle agieren werden, gilt als sicher, offen sind die Positionen auf den Abwehrseiten, um die sich Thilo Kehrer mit Jonas Hofmann (rechts) und Christian Günter mit David Raum (links) streiten. Günther steht mehr für die Defensive, Raum ist eher offensiv ausgerichtet.

Flick und Kimmich betonten beide die Wichtigkeit des Auftaktspiels. „Alles ist möglich“, sagte Flick mit Blick auf die 1:2-Niederlage Argentiniens gegen Saudi-Arabien.

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