Zeven

Krams Imbiss schließt: Das Ende einer Institution

Einen Hamburger oder eine Bratwurst vom Grill: Beim vorweihnachtlichen Bummel durch die Zevener Innenstadt gehört das einfach dazu. Man schmaust am Stand von Müller oder Krams. Bei Krams ist damit bald aber Schluss. Für immer.

Das Foto zeigt Kunden am Imbisswagen von Wolfgang und Brigitte Krams.

Advent in der Zevener Innenstadt: Dieses Bild gehört dazu. Am Imbisswagen von Wolfgang und Brigitte Krams ist immer was los. Den Leuten schmeckts, gleichzeitig genießen sie die Plauderei bei Wurst und Pommes.

Foto: Jakob Brandt

Vier-Abend-Märsche oder Weihnachtsmarkt ohne Krams Imbiss: kaum vorstellbar. Seit 1966 verkauft die Familie auf verschiedenen Veranstaltungen in der Region Würste, Schaschlik und Pommes mit Ketchup oder Mayo. Mit diesem Programm fing es an, und es läuft auch heute noch gut. Schaschlik wird seltener bestellt, dafür verzehren die Kunden lieber einen Hamburger.

Udo Bahrenburg ist Stammgast am Imbisswagen. Sein Lieblingsgericht: Bratwurst mit Pommes. „War wieder lecker“, sagt der Zevener und greift sich nach dem kalorienreichen Mahl eine Serviette.

Der Körper macht nicht mehr mit

Am 30. Dezember ist damit Schluss. Dann macht der Imbiss dicht. Für immer. Dass es Krams Imbiss bald nicht mehr gibt, findet er schade. „Da fehlt was, auf jeden Fall.“ Doch Wolfgang und Brigitte Krams wollen nicht mehr. Er ist 71, sie 70. „Wir schließen aus Altersgründen“, sagt Wolfgang Krams. „Es geht nicht mehr, die körperliche Anstrengung ist zu groß.“

Es sind seine Eltern, Anton und Irmgard Krams, die den Imbiss 1966 eröffnen. Mit drei Imbisswagen sind sie unterwegs. Dann: Auf dem Zevener Frühjahrsmarkt schaut Sohn Wolfgang kurz bei seinen Eltern vorbei, und stellt ihnen dabei auch seine Freundin Brigitte vor. „Die kann gleich Pommes machen“, sagt der Vater. Und so kommt es auch.

Brigitte Krams schmunzelt, wenn sie daran zurückdenkt. „Es war so, ich war sofort integriert.“ Es ist Ende der 1960er-Jahre, als das junge Paar bei den Eltern mit einsteigt und mit einem der drei Imbisswagen über Land fährt.

Würste für die Reisekasse

Es geht ihnen darum, Geld zu verdienen. Gutes Geld, um damit ihre Reisekasse aufzufüllen. Wolfgang und Brigitte Krams zieht es immer wieder hinaus in die Welt. Sie träumen nicht nur von Reisen in fremde Länder, sie machen sich auch auf den Weg. Wann immer es geht. Der asiatische Raum und die Südsee ziehen sie magisch an.

Einmal den kompletten Betrieb der Eltern übernehmen, das haben sie nie im Sinn. Der Imbiss soll immer Nebenerwerb bleiben, nur dazu dienen, das kostspielige Hobby zu finanzieren.

Das Foto zeigt Brigitte Krams mit ihrer Tochter Kathrin im Imbisswagen.

Ein Bild aus früheren Zeiten: Es zeigt Brigitte Krams in voller Lockenpracht zusammen mit Tochter Kathrin.

Foto: Krams

Hauptberuflich ist Wolfgang Krams als Gelber Engel für den ADAC unterwegs, und schult seine Kollegen auch in technischen Sachen. Seine Frau arbeitet als Büroangestellte. Eine Tochter bekommen die beiden.

An den Wochenenden steigen sie dann oft in den Imbisswagen. Beim Schützenfest in Ostereistedt sind sie dabei, beim Schützenfest in Waffensen und bei der Gewerbeschau in Heeslingen auch. In Zeven beim Frühjahrsmarkt, bei den Vier-Abend-Märschen, beim Stadtzauber, bei der Erntewagenparade und beim Weihnachtsmarkt. Vom 1. Advent bis zum Jahreswechsel stehen Wolfgang und Brigitte Krams mit ihrem Imbisswagen in der Zevener Innenstadt.

Auch in ihrer neuen Heimat, in Bremen, verkaufen sie Bratwurst, Pommes und Co., unter anderem auf dem Hafenfest und dem Loggermarkt. 1985 besuchen sie einen nach Australien ausgewanderten Freund. Ein Besuch, der ihrem Leben eine neue Wendung geben soll. Die Eheleute verlieben sich nämlich überschwänglich in den warmen, sonnigen Kontinent. Ab 1992 fliegen sie jedes Jahr für ein paar Wochen dorthin und bauen sich nach und nach in Australien ein zweites Leben auf.

Heute besitzen sie ein Wohnmobil, mit dem sie kreuz und quer durchs Land sausen. Sechs Monate in Australien, sechs Monate in Deutschland: So richten sie sich ihr Leben ein. Und zwar so, dass sie immer Sommer haben.

Mit dem Verkauf von Wurst und Pommes konnten sie sich ihr zweites Leben aufbauen. Sie haben zwar viel Freizeit dafür geopfert, hatten aber auch viel Spaß im Imbisswagen. „So ein Imbiss, der schweißt schon zusammen“, sagt Brigitte Krams. Den Umgang mit Kunden, die vielen netten Gespräche, die werden sie vermissen.

Keinen Nachfolger gefunden

Einen Interessenten für ihren Imbisswagen haben Wolfgang und Brigitte Krams trotz einjähriger Suche nicht gefunden. Es gab Anfragen, doch die Leute scheuen vor der Arbeit. „Die Arbeit ist auch nicht ohne“, sagt Wolfgang Krams. „Man ist freitags bis sonntags voll beschäftigt, man muss den Wagen vorbereiten und später auch sauber machen. Allerdings ist man nicht jede Woche auf Tour, manchmal hat man auch vier Wochen Pause.“

Das Foto zeigt Wolfgang und Brigitte Krams in ihrem Imbisswagen.

Brigitte und Wolfgang Krams hoffen darauf, sich noch von vielen Stammgästen persönlich verabschieden zu können.

Foto: Jakob Brandt

Geld verdienen lässt sich mit dem Imbisswagen. Krams haben viele Stammkunden, das Geschäft läuft gut, die Qualität spricht für sich. Es sind immer noch die drei gleichen Lieferanten, von denen Krams ihre Ware bekommen. Seit mehr als 50 Jahren. „Wir wollten immer zufriedene Kunden“, sagt Wolfgang Krams. „Und wir haben auch das Gefühl, gute Ware verkauft zu haben.“

Jetzt hoffen sie darauf, sich noch von vielen Stammgästen persönlich verabschieden zu können. Bei einer Wurst oder einem Hamburger. Bis 30. Dezember kann man noch mal reinbeißen.

Das Foto zeigt Firmengründer Anton Krams zusammen mit seiner Frau Irmgard.

Anton und Irmgard Krams eröffneten 1966 das Geschäft. Das Foto zeigt sie in einem ihrer drei Imbisswagen.

Foto: Krams

Das Foto zeigt den ersten Imbisswagen von Krams.

So sah er aus, der erste Imbisswagen von Anton Krams.

Foto: Krams

Das Foto zeigt den zweiten Imbisswagen von Krams.

Der nächste Imbisswagen machte schon viel mehr her.

Foto: Krams

Das Foto zeigt Wolfgang Krams im Imbisswagen.

Wolfgang Krams hatte früher deutlich mehr Haar. Damals kostete die Bratwurst noch 1,90 DM.

Foto: Krams

Das Foto zeigt den dritten Wagen von Krams.

Am neuen, modernen Imbisswagen können mehr Leute speisen. Wer Interesse hat, ihn zu übernehmen, sollte sich mit Wolfgang und Brigitte Krams in Verbindung setzen.

Foto: Krams

Das Foto zeigt Krams Imbiss in der verschneiten Innenstadt  von Zeven.

Vom 1. Advent bis zum Jahreswechsel standen Wolfgang und Brigitte Krams mit ihrem Imbisswagen immer in der Zevener Innenstadt.

Foto: Krams

Jakob Brandt

Reporter

Jakob Brandt, Jahrgang 1959, ist in der Samtgemeinde Selsingen aufgewachsen. Seit 2008 ist er als Lokalredakteur bei der ZEVENER ZEITUNG beschäftigt. Dort betreut er schwerpunktmäßig die Samtgemeinde Sittensen.

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