Rotenburg

Lebenslang gefordert für den Doppelmord von Fischerhude

Für den Doppelmord in Fischerhude nach Weihnachten 2021 hat die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft für den Angeklagten gefordert. Staatsanwältin Annette Marquardt sprach am Landgericht Verden von einer geplanten und kaltblütig durchgeführten Tat.

Das Urteil im Prozess gegen den wegen Doppelmord angeklagten 65-Jährigen wird für den 28. Dezember erwartet.

Das Urteil im Prozess gegen den wegen Doppelmord angeklagten 65-Jährigen wird für den 28. Dezember erwartet.

Foto: picture alliance/dpa

„Innerhalb von 16 Minuten wurde das Glück mehrerer Familien zerstört“, stellte Marquardt zu Beginn ihres rund dreistündigen Plädoyers fest. Am Ende beantragte sie, den 65 Jahre alten Angeklagten, der am 28. Dezember 2021 in Fischerhude „unvorstellbar kaltblütig“ zwei Menschen erschossen und eine Zeugin mit einem Kopfschuss schwer verletzt habe.

Ausführlich ging sie zunächst auf den Angeklagten, dessen Insolvenz und den Umzug auf das Gestüt eines neuen Freundes in Wehldorf (Kreis Rotenburg) ein. „Der kam ihm gerade recht. Er hatte Geld und war hilfsbereit“, so die Staatsanwältin.

Dessen Mutter, die später erschossene 73-Jährige, habe für den Angeklagten und dessen Familie ihre Wohnung auf dem Gestüt wieder geräumt, weil dem Paar und deren zwei Kindern nach der Pleite die Obdachlosigkeit drohte.

Von seinem ebenfalls erschossenen Bruder sei der Gestütbesitzer vor dem Angeklagten gewarnt worden. Im Herbst 2021 habe der 56-Jährige gesagt: „Pass auf, der ist gefährlich. Das ist ein Narzisst. Der hat Waffen, der dreht irgendwann durch.“ Und die später getötete 73-Jährige habe den Angeklagten als „Mörder“ und „Halsabschneider“ bezeichnet.

Die Freundschaft zerbrach zunehmend. Nach einem Diebstahl sei der Angeklagte am 4. Dezember aufgefordert worden, „das Gestüt sofort zu verlassen“. Hausverbot sei ihm erteilt worden. „Sodass der Angeklagte obdachlos war.“

„Alles war weg: die junge Frau, die Kinder, das Dach über dem Kopf. Das Geld, der Erfolg, die Chancen, wieder auf die Beine zu kommen.“, so die Staatsanwältin. Unter der Bedingung, dass er die gestohlenen Gerätschaften und Fahrzeug zurückbringt, durfte der 65-Jährige jedoch auf dem Gestüt mit seiner Familie Weihnachten feiern.

„Spätestens an Heiligabend dürfte der teuflische Plan bestanden haben, die Familie auszulöschen“, sagte Marquardt. „Hass, Rache, Vergeltung“, aus solch niedrigen Beweggründen habe der Angeklagte vier Tage später gemordet. Die liebsten Angehörigen habe er dem Prinzen nehmen wollen. „Schlimmer, niedriger und verachtenswerter geht es nicht“, so Marquardt. „Wohlüberlegt und besonders kaltblütig“ habe der 65-Jährige gehandelt.

Eine bei der Tat in dem Fischerhuder Fachwerkhaus anwesende Zeugin habe er versucht mit einem Kopfschuss zu töten.

„Insgesamt ist eine Gesamtfreiheitsstrafe zu verhängen, die lebenslang heißt.“ Zudem möge die Kammer die besondere Schwere der Schuld feststellen. „Es gilt zu verhindern, dass sich die Strafvollstreckungskammer nach 15 Jahren mit ihrer Entlassung befassen muss“, sagte Marquardt zum Angeklagten. (bel)

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