Zeven

Photovoltaik: Kreis Rotenburg lässt drei Gebäude prüfen

Als wenig ambitioniert und dem Ernst der Lage nicht angemessen bewerten SPD, Grüne und Linke im Kreistag das, was sich die Verwaltung zutraut, um den Ausbau von Solaranlagen zu beschleunigen. Dennoch stimmte die Mehrheit für den Minimalkonsens.

Ein Blick auf die Romney Marsh Solar Farm in Kent, die mit rund 73.000 Solarmodulen ausgestattet ist

Ob sich kreiseigene Grundstücke für die Installation von Freiflächen-Photovoltaikanlagen eignen, bleibt absehbar weitgehend ungeprüft. Lediglich ein Areal wird unter die Lupe genommen. Foto: dpa

Foto: picture alliance/dpa/PA Wire

Die Energiewende ist in aller Munde. Schnell soll es gehen, um loszukommen von Öl, Gas und Kohle. Sonne und Wind bieten sich als Ersatz an. Um den Ausbau der Solarenergienutzung im Landkreis zu beschleunigen, hatte die Grüne/Linke-Kreistagsgruppe im März beantragt, die Kreisverwaltung möge ein Fachbüro damit beauftragen, sämtliche kreiseigenen Gebäude und Grundstücke daraufhin zu untersuchen, ob sie sich für die Installation von Photovoltaikanlagen eignen.

88 Dächer und ein Grundstück sind potentiell geeignet

Daraufhin nahmen Mitarbeiter der Kreisverwaltung die Liegenschaften des Kreises unter die Lupe. Eine Hilfe war ihnen das Solardach-Kataster. Diese Vorprüfung ergab, dass sich 88 Dächer von kreiseigenen Gebäuden potenziell für die Installation einer Solaranlage eignen - vorbehaltlich einer statischen Prüfung und einer Wirtschaftlichkeitsberechnung. Für die Installation einer Freiflächenanlage hat die Kreisverwaltung allein die Abfalldeponie in Kuhstedt als möglichen Standort ausgemacht.

Anfang November präsentierte die Verwaltung den Abgeordneten einen Vorschlag: Demzufolge möge ein Fachplaner eine kreiseigene Schule, ein Verwaltungsgebäude und eines der Abfallwirtschaft sowie ein Deponiegelände auf die Eignung für die Installation einer PV-Anlage untersuchen. Auf diesem Pilotprojekt aufbauend solle ein Konzept für die Überprüfung aller Potentialgebäude erstellt werden. Die Kosten dafür werden mit 20.000 Euro kalkuliert.

Mutiger und schneller auf Erneuerbare umsteigen

Das erschien dem Antragsteller und der SPD-Fraktion zu wenig ambitioniert. Sowohl Hans-Jürgen Schnellrieder (Grüne) als auch Doris Brandt (SPD) riefen ihre Kollegen dazu auf, mutiger und vor allem zügig zu agieren angesichts der heraufziehenden Klimakatastrophe. Ihr Tenor: „Wir müssen mehr machen.“

Wo immer ein Dach angefasst wird, sei zwingend die Installation einer PV-Anlage zu prüfen. Sollte es geeignet sein, möge, ohne lange zu planen, eine Anlage auf das Dach geschraubt werden, mahnte Brandt. Sie beantragte, dafür eine Million Euro jährlich zur Verfügung zu stellen, um kontinuierlich Anlagen installieren zu können.

Mit einer Beschreibung der Realität machte Landrat Marco Prietz (CDU) jegliche Ambition zunichte. Es fehle nicht an Geld, sondern an Planungskapazitäten und Personal, um zügig 88 Gebäude zu begutachten und wo möglich mit Solarmodulen zu bestücken. Ein Fachbüro damit zu beauftragen, werde die Sache nicht beschleunigen, da der Auftrag europaweit auszuschreiben wäre.

Das, was möglich ist, reicht nicht aus

Prietz’ Worte sorgten bei Grün und Rot für Ernüchterung. Auch sie empfahlen dem Kreistag die Zustimmung zum Minimalkonsens. Dieser Empfehlung folgten kurz vor Weihnachten mit Ausnahme Stefan Klingbeils (Linke) alle Abgeordneten - allerdings nicht, ohne sich zu rechtfertigen: Hans-Jürgen Schnellrieder (Grüne) betonte, das Pilotprojekt könne nur ein erster Schritt sein.

Bernd Wölbern (SPD) holte aus, bekam wegen Überschreitens der Redezeit einen Rüffel der Kreistagsvorsitzenden Thea Tomforde (CDU) und sparte nicht mit Kritik. Der Beschluss sei das, was möglich ist. Und das sei enttäuschend, da es hinter dem Notwendigen zurückbleibe, weil es der Dramatik der Klimakrise unangemessen sei. Ein jeder trage Verantwortung dafür, die Katastrophe abzuwenden. Diese Verantwortung bestehe unabhängig von Zuständigkeit. Und die Frage, ob sich der Umstieg auf erneuerbare Energie rechne, verbiete sich schon gar, mahnte Wölbern.

Thorsten Kratzmann

Reporter

Thorsten Kratzmann stammt aus Zeven, hat in Göttingen und Hamburg Geschichte, Ethnologie und Politik studiert und ist seit 1994 bei der Zevener Zeitung beschäftigt.

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