Rotenburg

Zurück in den Discounter: Hofläden leiden unter Inflation

Landwirtschaftliche Produkte aus der Region sind gefragt. In den vergangenen Jahren sind Hofläden wie Pilze aus dem Boden geschossen. Die Geschäfte liefen gut. Doch jetzt ist Krise angesagt. Der erste Laden rund um Zeven schließt in Kürze.

Das Foto zeigt Anika Kück in ihrem Hofladen.

Auch auf „Kück’s Hoff“ in Forstort-Anfang spürt man die Krise. „Das Ladengeschäft ist ziemlich eingeschlafen“, sagt Anika Kück. Man überlege, künftig nur noch auf die Selbstbedienung zu setzen.

Foto: Brandt

Das Konsumverhalten der Verbraucher ändert sich. Inflation und hohe Energiepreise treiben die Menschen wieder in die Discounter. In den Hofläden der Region ist die nachlassende Kaufbereitschaft zu spüren. „Bei uns ist der Umsatz um die Hälfte eingebrochen“, sagt Hendrik Brinkmann aus Meinstedt.

Die Familie zieht die Reißleine und schließt ihren Hofladen am 5. November. Dann können die Kunden ein letztes Mal Käse frisch vom Laib kaufen. Handgemachter Käse, das ist das Hauptprodukt im Hofladen. Den lassen Brinkmanns, die um die 320 Kühe melken, vor Ort in der mobilen Käserei von Stephanie Heidrich herstellen. Darüber hinaus werden Produkte befreundeter Hofladenbetreiber angeboten.

Mit der Inflation brach der Absatz ein

Sich gegenseitig unterstützen: So agieren fast alle Hofläden in der Region. Die Produktpalette wird so größer, und der Anreiz für den Kunden, vorbeizuschauen, ebenfalls. „Unser Laden wurde zuerst super angenommen, doch mit steigenden Lebenshaltungskosten brach der Absatz ein“, sagt Margret Brinkmann, die Mutter von Hendrik Brinkmann. „Leider sparen die Leute zuerst bei den Lebensmitteln“, erläutert ihr Sohn. „Und hochwertige regionale Lebensmittel“, schiebt er nach, „sind nun mal etwas teurer.“

Käsemacherin verzeichnet weniger Aufträge

Unter der aktuellen Situation leidet auch Käsemacherin Stephanie Heidrich. „Bei uns sieht es auch nicht rosig aus“, sagt die 39-Jährige. „Wir haben weniger Aufträge, weniger Umsatz.“ Bis auf Brinkmann habe aber noch kein Kunde die Käseproduktion komplett eingestellt. Einige Höfe würde sie jetzt aber seltener ansteuern.

Das Foto zeigt Stephanie Heidrich im Käselager.

„Bei uns sieht es auch nicht rosig aus“, sagt Käsemacherin Stephanie Heidrich. „Wir haben weniger Aufträge, weniger Umsatz.“

Foto: Brandt

Mit ihrer mobilen Käserei fährt die Elsdorferin auf die Höfe und verarbeitet die Milch vor Ort. Das Geschäft boomte. Weil ihr kleiner Anhänger nicht mehr ausreichte, schaffte sie sich sogar einen Lastwagen an und verdoppelte die Produktionskapazität. „Ich mache weiter“, versichert Heidrich. „Ich will auf jeden Fall versuchen, meine neun Mitarbeiter zu halten.“

Ladengeschäft stark eingebrochen

Auf „Kück’s Hoff“ in Forstort-Anfang stehen ebenfalls Veränderungen an. Dort überlegt man, das samstägliche Ladengeschäft einzustellen und nur noch auf die Selbstbedienung zu setzen. „Das Ladengeschäft ist ziemlich eingeschlafen“, sagt Anika Kück. „Der SB-Bereich wird hingegen weiter gut angenommen.“

Hauptprodukte im Hofladen sind handgemachter Moorkäse und selbst angebaute Moorkartoffeln. Auch Kück spricht von Umsatzrückgang. Ihr macht Sorge, dass befreundete Hofläden, die ihren Moorkäse im Angebot haben, aufhören. „Das ist schon beängstigend.“ Was gut laufe, seien die Märkte. Für Wochenmärkte habe man keine Zeit, aber Veranstaltungen wie den Herbstmarkt in Ahlerstedt besuche man gern. „Das ist für uns auch eine gute Möglichkeit, bekannter zu werden“, sagt Kück.

Wedemeyer hat Wochenmärkte im Blick

Auf Wochenmärkte setzt auch Hannah Wedemeyer, die den Hofladen auf dem Klostergut Burgsittensen betreibt und selbst produzierte und zugekaufte Bio-Ware anbietet. „Wenn die Leute nicht zu uns kommen, dann müssen wir eben zu den Leuten kommen“, argumentiert sie. Ihren Worten zufolge läuft freitags im Laden „so gut wie gar nichts mehr“. „Wir suchen nach dem richtigen Weg. Wie er aussieht, das kann ich noch nicht sagen“, so Wedemeyer.

Lühmann setzt auf die Stammkundschaft

Peter Lühmann betreibt einen Hofladen in Rüspel, über den er die Eier seiner Freilandhühner verkauft. Auch er leidet unter der Krise. Um mindestens 20 Prozent sei der Umsatz im Hofladen eingebrochen. Komplett zusammengebrochen sei der Verkauf von Produkten befreundeter Erzeuger, wie höherpreisige Säfte, Marmeladen, Wurst- und Fleischprodukte. „In diesem Segment geht fast gar nichts mehr", so Lühmann.

Das Foto zeigt Peter Lühmann.

Peter Lühmann betreibt einen Hofladen in Rüspel. Um mindestens 20 Prozent sei der Umsatz eingebrochen, sagt er.

Foto: Jakob Brandt

Wegen extrem hoher Futterkosten und deutlich teurer gewordenen Eierpappen müsse er die Preise für Eier eigentlich erhöhen, sehe aber davon ab, weil er fürchte, sonst auch seine Stammkunden zu verlieren. Er überlegt nun, die Eier künftig unverpackt zu verkaufen. Für die Zukunft des Hofladens sieht er nicht schwarz: „Ich glaube, dass meine Stammkunden nicht so genau auf den Groschen schauen. Gerade junge Leute bleiben bei den guten Produkten", ist Peter Lühmann überzeugt.

Auf dem richtigen Weg

Sibylle Heins aus Groß Meckelsen ist eine der wenigen, bei der die Krise noch nicht angeklopft hat. Auf „Lüddens Hoff“ bietet sie Eier aus Bodenhaltung an. Das Geschäft laufe weiter gut, sagt sie. „Ich verkaufe nicht weniger.“ Auch Gurken, Tomaten, Zucchini und Kürbis aus dem eigenen Garten sowie selbst gemachte Marmeladen und Säfte würden nach wie vor gut gehen. Trotzdem hat auch sie den Wochenmarkt für sich entdeckt und schätzen gelernt. Sibylle Heins setzt ebenfalls auf ihre Stammkundschaft und geht davon aus, dass diese ihr weiterhin die Treue hält. Es sei der richtige Wege gewesen, in einen Hofladen zu investieren.

Jakob Brandt

Reporter

Jakob Brandt, Jahrgang 1959, ist in der Samtgemeinde Selsingen aufgewachsen. Seit 2008 ist er als Lokalredakteur bei der ZEVENER ZEITUNG beschäftigt. Dort betreut er schwerpunktmäßig die Samtgemeinde Sittensen.

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