Meinung & Analyse

Der Stern von Bethlehem: Die Geburt der wahren Sonne

Das Flackern einer Kerze, ein beleuchteter Weihnachtsstern: Ein Licht inmitten der Dunkelheit strahlt eine besondere Geborgenheit aus, wie die Kerzen am Tannenbaum. Warum das Licht zum Weihnachtsfest gehört.

"Der Stern von Bethlehem", Bildpostkarte nach Aquarell von Paul Hey (1867-1952).

"Der Stern von Bethlehem", Bildpostkarte nach Aquarell von Paul Hey (1867-1952).

Foto: epd

Lichterketten, hell erstrahlende Fichten und Tannen, leuchtende Sterne: Im Advent sind die Innenstädte weihnachtlich geschmückt und beleuchten die dunklen Straßen, so ist es trotz Energiekrise auch dieses Jahr vielerorts. Licht und Weihnachten gehören seit jeher zusammen. Schon die Adventskerzen kündigen symbolisch an: „Das Licht kommt in die Finsternis“. Die Heiligen Drei Könige folgen den biblischen Berichten zufolge einem hellen Stern am Nachthimmel, der sie zur Krippe leitet.

„Es werde Licht!“ hatte der jüdische Schöpfergott in der Bibel befohlen, und das Chaos war überwunden. Im Johannesevangelium gut 600 Jahre später sagt Jesus: „Ich bin das Licht der Welt“ (Joh 8,12). Licht erhellt die Finsternis - und Finsternis ist noch etwas Dunkleres als die meteorologische Dunkelheit um die Wintersonnenwende am 21. Dezember, zumindest haben die Völker früherer Zeiten das so erlebt. In der Finsternis tummelten sich nach ihrer Vorstellung das Böse in Gestalt von Dämonen.

Licht hingegen gilt als göttliches Ursymbol. Ob im Blitz oder in der Sonne, im Mond oder im Feuer war im Licht stets die Gottheit zu Hause. Das lateinische Wort für Gott, „deus“, und auch das griechische „theos“ weisen zurück auf die indogermanische Wortwurzel „dei“, was „schimmern, leuchten, scheinen“ bedeutet: Die Gottheit ist eine Lichtquelle. Der ägyptische Pharao Echnaton machte die Sonne zu einem Gott namens Aton und servierte den alten Sonnengott Re ab. Der hinduistische Surya lenkt einen Sonnenwagen ebenso wie der altgriechische Helios.

Zu der Zeit, zu der im dunklen Winter die Tage wieder länger werden, haben die Menschen im antiken Rom den Bauerngott Saturn gefeiert. Das war am 25. Dezember - nach dem damaligen Julianischen Kalender war die Wintersonnenwende vier Tage später datiert als heute.

Dort entstand auch das christliche Weihnachtfest. „Der 25. Dezember als Tag der Geburt Christi wurde ausdrücklich erstmals von Dionysius Filocalus in seinem Chronograf von 354 genannt, der auf römische Quellen aus dem Jahr 336 zurückgeht“, erklärt der Althistoriker Manfred Clauss. Aber erst im Dezember 432 soll der Bischof von Rom das Weihnachtsfest offiziell eingesetzt haben. „In diesem Monat ist das Datum des Weihnachtsfestes erstmals in Ägypten nachgewiesen“, ergänzt Clauss.

Kaiser Aurelian 274 stiftet Geburtstagsfest

Auch der Kult um den römischen Sonnengott Mithras ist in das christliche Weihnachtsfest eingeflossen: Ihm huldigten einst Hirten, so wie dem Jesuskind in der Krippe. Die Römer identifizierten Mithras mit ihrem Reichsgott „Sol invictus“, der „unbesiegten Sonne“. Dessen Geburtstagsfest war von Kaiser Aurelian 274 gestiftet worden - und zwar am 25. Dezember.

Mit diesem doppelten Sonnengott wurde bald auch Christus assoziiert. Er galt fortan als die „wahre Sonne“ und lenkte mit der Strahlenkrone ums Haupt den Sonnenwagen, wie man auf einem Mosaik im Vatikan sehen kann. Schließlich war er, wie das Glaubensbekenntnis im Jahr 325 festschrieb: „Licht vom Lichte“. Aber: „Die Christen distanzierten sich wegen solcher Ähnlichkeiten zunehmend von den heidnischen Vorstellungen und Christus wurde mehr und mehr zum ‚Sonnengott der Gerechtigkeit‘“, differenziert Clauss.

Weihnachten feiern Christen auf der ganzen Welt auch dieses Jahr den strahlenden Gottessohn als Kind in der Krippe, das mitten in der dunklen Nacht zur Welt kam. Das ist Teil der Weihnachtsbotschaft: „Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben“, sagte Jesus im Johannesevangelium.(epd/axt)

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