Niedersachsen

Rund ein Dutzend Einwände zu Erdgasförderung vor Borkum

Die geplante Erdgasförderung in der Nordsee vor Borkum ist umstritten. In einem Planfeststellungsverfahren beziehen Verbände, Behörden und Anwohner nun Stellung. Auch Klagen stehen im Raum.

Von dpa
20. Dezember 2022
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Die ostfriesische Insel Borkum.

Die ostfriesische Insel Borkum.

Foto: Sina Schuldt/dpa/Archivbild

Zu der umstrittenen Erdgasförderung auf der Nordsee vor Borkum sind bei den Behörden rund ein Dutzend Einwände eingegangen. Derzeit würden die eingegangenen Stellungnahmen und Einwendungen im Rahmen des Planfeststellungsverfahren geprüft, teilte das zuständige niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) auf Anfrage mit. Nun soll ein Erörterungstermin folgen, bei dem die Stellungnahmen mit dem Vorhabenträger, einem Konsortium um das niederländischen Unternehmen One-Dyas, diskutiert werden. Die Frist für Einwände war Anfang Dezember abgelaufen.

One-Dyas und seine Partner planen, von Ende 2024 an Erdgas aus einem Feld zwischen den Inseln Schiermonnikoog (Niederlande) und Borkum zu fördern. Das Gebiet liegt nahe dem Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Gefördert werden soll sowohl in niederländischen als auch in deutschen Hoheitsgebieten. Auf niederländischer Seite hatten die Behörden bereits Anfang Juni grünes Licht für die Förderung gegeben. Für die Förderung auf deutscher Seite ist noch das Planfeststellungsverfahren notwendig.

Laut dem Landesbergbauamt geht es in den Einwänden etwa um mögliche Gefahren für die Umwelt, die Bevölkerung und den Tourismus. Auch die Gefahr von Bodensenkungen und Erdbeben sowie die Folgen von Lärm- und Schadstoffemissionen durch die Erdgasförderung würden thematisiert, hieß es. Darüber hinaus würden auch die Auswirkungen des Vorhabens auf Schutzgebiete und den Klimawandel angesprochen.

Insgesamt gingen elf Stellungnahmen oder Einwendungen von Behörden und Trägern öffentlicher Belange ein, fünf von Naturschutz- oder Umweltvereinigungen und drei von Privatpersonen. Die Antragsunterlagen lagen zuvor bei den Städten Borkum und Norderney sowie in der Inselgemeinde Juist, in der Gemeinde Krummhörn (Landkreis Aurich) und beim Landesbergbauamt aus.

Mehrere Nordseeinseln und ein Bündnis um die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatten bereits angekündigt, gegen die Genehmigung für die Erdgasförderung in den Niederlanden zu klagen. Auch bei einer Genehmigung auf deutscher Seite planen die Organisationen rechtlich gegen die Bohrungen vorzugehen. „Wir werden alle rechtlichen Schritte ausschöpfen, um dieses Projekt zu stoppen“, teilte der DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner kürzlich mit.

Die Umwelthilfe und auch die Bürgerinitiative (BI) Saubere Luft Ostfriesland kritisieren, dass die Bohrungen nicht vereinbar mit Klimazielen seien und befürchten Schäden für die Natur. „Von schwermetallbelasteten Eiern der Vögel bis hin zu platzenden Trommelfellen der Schweinswale durch die Lärmbelastung der Bauarbeiten - die Erdgasförderung im Naturraum Wattenmeer und im Naturschutzgebiet „Borkum Riff“ hätte unter anderem durch die Einleitung von belastetem Lagerstättenwasser der Plattform verheerende Folgen“, teilte der Sprecher der BI, Bernd Meyerer, mit.

Niedersachsens ehemalige rot-schwarze Landesregierung hatte unter dem Eindruck der Energiekrise durch den Ukraine-Krieg im Sommer einen ursprünglichen Beschluss gegen die Erdgasförderung vor Borkum rückgängig gemacht. Im Koalitionsvertrag der neuen rot-grünen Landesregierung steht nun, dass im Planfeststellungsverfahren für die Förderung vor Borkum der „Schutz von Umwelt, Natur, dem Wattenmeer und der Insel“ von zentraler Bedeutung sein werde. Auch Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) hatte sich vor Kurzem zu dem Vorhaben geäußert. Sie sagte: „Am besten wäre es, das Gasförderprojekt zu stoppen.“

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